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Aluteil mit falscher Polung eloxiert, schlimm?!
als Neuling erst mal großes Lob an Euer Forum, hab hier
so einiges abgeguckt, echt klasse.
So, jetzt mein Problem: Ich habe am Wochenende ein
kleines Aluteil, ca 200cm² schön "nach Anleitung" eloxiert,
also entfettet, eloxiert und dann versiegelt. Leider habe
ich am Schluß gemerkt, daß ich + und - vertauscht, also
einfach verpolt habe: + an Kathode, - an Werkstück.
Kurz zum Sinn und Zweck meines Eloxier-Versuchs:
Ich oute mich hier als Nicht-Färber, das Optische ist für mich
vollkommen zweitrangig. da es sich bei mir rein um die Konservierung
geht. Das Aluteil arbeitet in einer teils aggresiven Umgebung
im Straßenverkehr, Winter-Streusalz, etc... und soll so mit eigenen
Mitteln bestmöglichst (wäre ja eigentlich Harteloxieren, geht ja leider
nicht so einfach mit simplen Mitteln)
konservieren.
Da das Teil geschweisst (repariert) wurde und unterschiedliche
Legierungen verschweisst sind, war die "Vergrauung" unterschiedlich
stark, das neue Teil blieb hell, das alte Material wurde gräulich mit
dunkleren Flecken drinnen, das sollte ja normal sein und stört auch
nicht. Legierungen sind unbekannt.
Wie ich bereits nachlesen konnte tritt bei Verpolung am Werkstück
starke Blasenbildung auf, das war bei mir der Fall, es "sprudelte"
regelrecht.
Spannung auf 12V eingestellt, (Netzgerät bringt 3A bei einem
Bereicht von 0-30V) beim Einschalten mit normalem Eloxieraufbau
(außer Verpolung
des ganzen Vorgangs (Oberfläche 200cm² > ca. 3 Std bei 1A) ca.
1A teils etwas mehr, was ich aber auf 1A begrenzte, um eine
definierte Stromstärke zu haben...
Das Säurebad färbte sich während des verpolten Eloxierens (nach
ca. 30 Min. ) am Boden bräunlich, im oberen Bereich wurde das
Säurebad grün. (Grün = Kupfer?! ). Am Werkstück befand sich vor
dem Eloxieren und auch abbeizen noch Reste von Rost. (Teil wird
mit Metalschraube verschraubt, im Gewinde normaler Metal-Rost,
der schwerlich mechanisch zu entfernen war.
Ich habe hier bereits nachgelesen, daß ein anderer "Falsch-Poler" ;O)
die selber Erfahrung gemacht hat wie ich, nämlich eine Reinigungs-
Effekt. Rost verschwunden und auch andere mechanisch schwer zu
lösenden ("Oberflächen") Verunreinigungen waren komplett verschwunden.
Das Teil ist jetzt "aluminisch" rein ;O)...
Danach 1,5 Std. in kochendem destilliertem Wasser versiegelt. Ich meine,
auch eine Oberflächen-Veränderung festgestellt zu haben. Das neuere,
angeschweisste Alu wurde sehr glatt, das alte Aluteil ebenfalls glätter
als vorher?!
Jetzt meine Frage?! Was hab ich dem Teil angetan?! Welche Auswirkung
hat die Falsch-Polung auf das Alu bzw. hat sich hier trotzdem eine Schutz-
schicht gebildet?! Hat es dem Alu geschadet?! Kann ich jetzt einfach
durch Neu-Abbeizen die "FALSCH-Eloxierung" entfernen und diesmal mit
RICHTIGER Polung eloxieren und versiegeln oder muß ich da noch was
anderes machen?! Das wäre meine wichtigste Frage, wäre dankbar für
Antwort hier.
Apropos Abbeizen bzw. Entfetten. Ich vermisse leider eine Angabe, die ich noch
nirgends finden konnte (vermutlich bin ich nur zu blind):
Wieviel Prozent sollte denn das Abbeiz-Bad bei Verwendung mit Natrium-Hydroxid
haben. Und vor Allem, wie lange?!
Für Hinweise und Antworten wäre ich sehr dankbar.
Mit schönen Grüßen aus dem schönen Freiburg
Roland
Benutze Mittel:
Abbeizen 5%ige Natrium-Hydroxid-dest. Wasser-Mischung. ca 20 Min.
Kleine Tupperdos mit ca 0,3l ca. 19%iger Batteriesäure (1:1 Misch
verhältnis mit dest. Wasser). Spannungsquelle 3A bei 0-30V. 12V eingestellt
, zusammengebrochen auf ca 2V bei 1A. Destilliertes Wasser zum Versiegeln.
Kathode Edelstahl-Blech. Anoden-Draht aus Alu.
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- Christoph Drube
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Eine Verpolung führt zu keinem Schichtaufbau, da dem Aluminium an der Kathode (=Wasserstoffbildung) der für die Bildung der Eloxalschicht notwendige native Sauerstoff fehlt.
Dafür wurde am Aluminium quasi eine elektrochemische Reinigung durchgeführt - man sollte es jetzt also sehr gut eloxieren können
Da als Anode ein Edelstahlblech verwendet wurde, ist dieses teilweise aufgelöst worden - mit den beschriebenen Ergebnissen. Die grünliche Färbung dürfte aus dem im Edelstahl enthaltenen Nickel stammen. Das Säurebad ist leider auf jeden Fall für weitere Eloxierungen unbrauchbar.
Die Konzentration für das Abbeizen ist immer auch von der Beiztemperatur und dem Aluminiumgehalt abhängig. Wir verwenden hier etwa 100g/Liter bei Zimmertemperatur. Bei 40°C reichen aber durchaus auch 50 Gramm.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Drube
Electronic Thingks
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vielen Dank für die Antwort. Sehr schön, hab also nix wirklich
Schlimmes getan, sehr beruhigend ;O)...
Und schön, daß ichs sogar noch gereinigt habe, also doch
Alles richtig gemacht hab ;O)...
Habe nochmal kurz zum Abbeizen eine Frage. Da ich ohne
großes Wärmen arbeite, werde ich einfach auf die 10%ige
Natrium-Hydrosid-Beize zurückgreifen. Wie lange sollte
da entfettet bzw. angebeizt werden.
Klar, ist schwierig zu sagen, da die Alu-Legierung nicht bekannt
ist. Aber ungefähr, sind es eher Sekunden, einige Minuten oder
20-30 Minuten bis Stunden?!.
Mir ist ja klar, daß zuviel des Guten eher schädlich ist.
Vlt. gibt es da ja eine Angabe, bei wieviel Minuten das Teil zumindest
vom normalen (durchs Anfassen) "Finger"-Fett befreit ist. Für das
"Anrauen" der Oberfläche wäre eine ungefähre Minuten-Angabe auch
sehr hilfreich, ich will das Aluteil ja nicht auflösen, bzw. schwächen...
Auf jeden Fall nochmals einen herzlichen Dank für die bereits geleistete
Hilfe und schonmal Danke im vorraus für die kommende ;O)...
Herzliche Grüße aus dem sonnigen Freiburg
Roland
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- Christoph Drube
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Grundsätzlich sollte man beim Beizen auf jeden Fall "am Ball" bleiben, da die Reaktion selbstbeschleunigend und nicht wirklich kontrolliert abläuft (je mehr Aluminium gelöst wird, desto schneller läuft die Reaktion ab).
Es kann durchaus sein, dass 10 Sekunden gar nichts passiert und dann plötzlich sehr starke Gasentwicklung einsetzt.
Also nicht denken: "Da passiert jetzt 60 Sekunden wenig, ich schaue in 5 Minuten nochmal nach"!
Bei der angegebenen Konzentration reicht es üblicherweise aus, bereits saubere Teile wenige Sekunden bis zu einer halben Minute zu tauchen.
Satinierungen lassen sich mit etwa einer Minute erzielen.
Kontrolle ist auf jeden Fall angebracht - also: rausnehmen, abspülen, Sichtprüfung. Durchaus alle 5-10 Sekunden!
Auf keinen Fall sollte man die Werkstücke stundenlang oder gar über Nacht im Bad lassen: dann sind sie meist nicht mehr da
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Drube
Electronic Thingks
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Nachdem Deine Fragen bereits alle vom Chef beantwortet wurden, gebe ich jetzt auch meinen Senf dazu:
- Eine Mischung von gleichen Volumina von Akkusäure (38%) und Wasser gibt nicht 19 %ige, sondern etwa 21-22 %ige Säure. Konzentrationsangaben sind immer auf die Masse der Stoffe bezogen, nicht auf das Volumen.
- 21 - 22 % scheint mir eine recht hohe Konzentration zu sein - 15% wären ideal; erreichbar durch Mischen von 1 Teil Akkusäure mit 1,5 Teilen dest. Wasser.
- Eloxieren sollte man immer mit konstantem Strom (1,5A pro dm² Werkstückoberfläche); welche Spannung sich dann einstellt, ist nicht weiter relevant. Wird sich erfahrungsgemäß irgendwo zwischen 13 und 22 V bewegen.
- Dein Bad ist durch die Falschpolung definitiv hinüber und durch die jetzt enthaltenen Nickelsalze hochgiftig. Bitte, bei der Entsorgung (auch der eigenen Gesundheit wegen) bedenken.
- Rost und andere Verunreinigungen aus Gewindelöchern kann man so entfernen:
Ein wasserlösliches Schleif-, Polier- oder Scheuermittel ins Gewindeloch und auf eine passende Schraube geben. Schraube ein paar mal ein- und wieder rausdrehen. Danach gut ausspülen - wassergefüllte Injektionsspritze verwenden. Ideal wäre ein Ultraschallreiniger!
- Das beizende Entfetten mit Natronlauge ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es keine bessere Entfettung von Aluteilen, andererseits wird immer ein wenig der Aluminiumoberfläche weggeätzt. Wenn Hochglanz gewünscht wird, ist Natronlauge keine gute Wahl. Dafür gibt es hier im Shop den Alureiniger; da bleibt die Oberfläche, wie sie war, trotz der hervorragenden Entfettung und Reinigung.
Soll hingegen eine seidige Mattigkeit erzielt werden, ist Natronlauge die erste Wahl. Kaum ein mechanisches Verfahren kann solch gleichmäßig zart satinierte Oberflächen hervorbringen.
- Legt man bei Zimmertemperatur ein leidlich sauberes (weder fetttriefend noch vor Dreck strotzend) Alustück in die Natronlauge - ich verwende immer 100g/Liter - , setzt nach ein paar Sekunden (5-15) eine recht starke Gas- und damit Schaumbildung ein, der chemische Prozess hat begonnen. Nach längstens weiteren 10 bis max. 15 Sekunden ist die Entfettung sicher beendet, jedes weitere Verweilen in der Lauge satiniert das Werkstück (weiter). Länger als eine Minute würde ich nicht satinieren, sonst könnte zuviel Alu abgetragen werden.
Ich habe einmal einen 3mm-Aludraht unter dem Schaum vergessen: Nach drei Stunden war nichts mehr davon zu sehen!
- Das Versiegeln im kochenden Wasser sollte bei den im Self-made-Verfahren erzielbaren Schichtdicken nach einer Stunde sicher beendet sein. Mehr schadet zwar in keiner Weise, ist aber unnötig und kostet Energie...
Grüße, Rudi
___________________________________________________
Wenn Du sicher bist, richtig gemessen zu haben, miss nochmal!
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vielen Dank für Eure Antworten, wird mir helfen, mein
Aluteil nicht vollkommen aufzulösen ;O), der Tipp mit dem
Mischungsverhältnis ist sehr hilfreich, vielen Dank! ...
Neues von der Eloxier-Front.
(Keine Ahnung, ob ich hier ein neues Thema starten sollte,
da sich eine andere Problematik aufgetan hat)
Nachdem ich das Teil nochmals kurz abgebeizt und gut gespült
habe, hab ich das Aluteil richtig gepolt angehängt, ins Säurebad
gehängt und die Spannung Strom eingestellt. Spannung etwa
17V, Strom auf 1A begrenzt.
Schon von Anfang an hat sich Eines bemerkbar gemacht. An der
Kontaktstelle zwischen dem Aluteil und dem Aludraht (straf gewickelt,
denke, guter Kontakt) war eine stärkere Blasenentwicklung zu sehen
als am Rest des Aluteils.
Habe im 15Min-Abstand kontrolliert und nach 1 Stunde festgestellt,
daß kein Strom mehr floß?! Lösung des Rätsels, der Aludraht war
durch!!! Am Werkstück hing noch eine dünne Schlaufe Aludraht, der
Draht hatte sich durch bzw. aufgelöst?!
Habe dann einen Versuch mit einer VA-Schraube als Kontaktstelle
zum Aluteil nach kurzem Einschalten abgebrochen, da auch hier
(trotz richtiger Verschraubung) eine stärkere Blasenentwicklung als
am Rest des Aluteils zu erkennen war. Ich denke VA-Schraube ist
tabu und wohl eher zu einer Titan-Schraube/-Draht zu raten? Allerdings
hat mich das mit dem aufgelösten Aludraht schon etwas verblüfft, bis
sogar erschreckt, weil man ja gleich denkt, das Aluteil würde sich
ebenfalls auflösen?!
Alles in Allem gar keine so banale Geschichte, diese Eloxieren...
Da braucht es scheinbar doch noch Einiges an Wissen und Erfahrung
um entsprechend gute Ergebnisse zu erzielen. Wobei bei mir ja das
Optische zweitrangig ist, Konservierung das Haupt-Augenmerk...
Wäre dankbar für eine kurze Erklärung, warum sich der Anoden-Aludraht
vollkommen aufgelöst hat?! Habe zwar schon gesucht, aber zumindest
keine Erklärung zum Aludraht-Auflösen gefunden. Aludraht NEIN, Titan-
draht JA, VA auch NEIN?! Bin ein wenig confused ;O)....
Nochmals Danke an Euch beide, Christoph und Rudi.
Roland
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Lies Dir doch einmal das Thema "Alternativen zum Titandraht" aufmerksam durch. Ich denke nämlich, dass sich Dein Kontaktierungsdraht durch massiven Säureangriff infolge zu hoher Temperatur verabschiedet hat. Außerdem findest Du dort u.a. Hinweise zur sicheren Kontaktierung.
Aludraht NEIN, Titandraht JA, VA auch NEIN?!
Titan: JA
Alu: JA
ALLE anderen Metalle: NEIN
Alles in Allem gar keine so banale Geschichte, diese Eloxieren...
Da braucht es scheinbar doch noch Einiges an Wissen und Erfahrung
um entsprechend gute Ergebnisse zu erzielen. Wobei bei mir ja das
Optische zweitrangig ist, Konservierung das Haupt-Augenmerk..
Genau so ist es!
Die Erfahrung erarbeitet sich jeder einzelne durch viel Übung, anders geht das nicht. Also üben, üben, üben!
Das Wissen steigt mit jeder Erfahrung, die man macht.
Für einen wirklich soliden Grundstock an Wissen um das Eloxieren sorgt dieses Forum. Einerseits wird (fast) jede Frage beantwortet, andererseits stehen in den vielen Beiträgen die Antworten auf mehr Fragen, als man sich vorstellen kann. Es lohnt sich, die Beiträge durchzulesen - auch wenn die Themenliste bereits 43 Seiten lang ist.
Grüße, Rudi
___________________________________________________
Wenn Du sicher bist, richtig gemessen zu haben, miss nochmal!
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vielen Dank für deine Antwort und deine Anregungen.
Inspiriert von deiner Kontaktierung selber gleich Alu-Gewindestangen gezaubert (zu kurz, wie sich später herausstellte) und nochmals die ganze Prozedur. Abbeizen, Anhängen, ins Bad und Strom frei...
Habe die Säure-Mischung nach deiner Vorgabe 1:1,5 genommen, Anfangs-Temperatur 16°, nach 2 Std. ca 23°... Keine Umwälzung vorhanden, ich hab das Kathodenblech einfach größer gelassen und das ganze durch einen Ventilator angeblassen (Siehe Bilder)...
Frage: Wie wichtig ist die Einhaltung der 20°?! Für mich als Nicht-Fachmann hört sich ein Unterschied von ein paar Grad um die Raumtemperatur herum ziemlich übertrieben an, aber welche Auswirkungen hat die Temperatur-Differenz?
Eloxier-Dauer gesamt 4 Std. bei 12V/1A. Das ganze sah anfangs sehr gut aus, gleichmäßige durchschnittliche Blasenbildung und anfangs keine Verfärbung des "alten" Teiles des geschweisten Aluteils. Das "neue" Teil (das gebogene Alurohr) hat sich verfärbungs-technisch vollkommen unbeeindruckt gelassen...
Gegen Ende hin hat sich allerdings der "alte" Teil dunkel/schwärzlich gefärbt und ich habe eine (kristaline oder gelartige?) Ausbildung zwischen der Säure-Oberfläche und des Anoden-Anschlusses (2 Edelstahlschrauben mit Ringöse (Kupfer?!)) festgestellt. Das Säurebad hat sich trüb dunkelgrau eingefärbt... Diese Ausbildung hat sich dann unter fließendem Wasser schnell aufgelöst bzw abgelöst, weiß nicht wirklich, ob kristalin oder gelartig? Nach dem unter fließendem Wasser-Spülen und dem Versiegeln löste sich an der Oberfläche des "alten" Teiles ein dunkle Färbung am Küchentuch ab.
Frage: Hab ich mir jetzt wieder ein Problem bei der Schutzschicht-Ausbildung eingehandelt? Verfärbungen sowie ein "Versauen" des Säurebades sind zweitrangig, es geht hier rein um die Schutzfunktion des Eloxierens.
Frage: Wie kann ich eigentlich ein erfolgreiches Eloxieren bzw. erfolgreicher Ausbildung einer Schutzschicht (Oxidatinsschicht) testen? Geht das nur über Einfärben und nach dem Versiegeln ein Test, ob die Farbe hält?!" Oder geht das evtl. über Messung des elektrischen Widerstandes?! Ein Durch-Messen ergibt einen Widerstand >20MOhm, hat sich alsso eine nichtleitende Schutzschicht gebildet?!
Für eine Antwort, ob ich den ganzen Vorgang nochmals wiederholen muß, mit genauer Temperatur etc... wäre ich sehr dankbar, langsam krieg ichs nämlich an der Erbse ;O)... Aber Aller Anfang ist schwer, wie ich eben merke...
Vielen Dank schonmal im vorraus und Grüße aus dem sonnigen Freiburg
Roland
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Hallo, Roland!
Gehen wir's mal durch:
Frage: Wie wichtig ist die Einhaltung der 20°?!
Wenn sich das Bad nach zwei Stunden um 7 °C auf 23 °C aufgeheizt hat, dann hatte es nach den 4 Stunden Gesamtdauer etwa 30 °C.
Aus der Erfahrung gesprochen:
Das ist schief gegangen! Die letzten beiden Stunden haben sicher keine Oxidschicht mehr wachsen lassen, vielmehr hat die "heiße" Säure die vorher gebildete Schicht, zumindest zum großen Teil, wieder aufgelöst.
Die Begründung liegt in der Chemie des Eloxiervorganges:
Durch den Stromfluss wird eine Oxidschicht auf der Aluminiumoberfläche erzeugt, es wachsen Kristalle aus Al2O3. Diese Kristalle werden von der Schwefelsäure wieder aufgelöst (Rücklösung lautet der Fachbegriff dafür).
Die Rücklösung ist abhängig von der Konzentration der Säure, der Dauer des Säureangriffes und der Temperatur:
Höhere Konzentration --> höhere Rücklösung.
Länger Dauer --> mehr Rücklösung.
Höhere Temperatur --> höhere Rücklösung.
Die Temperatur ist dabei der Faktor, der am aufmerksamsten beobachtet werden muss. Chemische Vorgänge (und damit auch die Rücklösung!) laufen ganz grob gesagt pro 10°C Temperaturerhöhung doppelt schnell ab. Fange ich also bei 10° an und das Bad erwärmt sich auf 20 °, habe ich bereits die doppelte Rücklösung wie anfangs. Geht die Erwärmung noch weiter, habe ich bei 30° wieder die doppelte Rücklösung (diesmal bezogen auf 20°); gegenüber der Anfangstemperatur von 10° ist es bereits die vierfache Rücklösung!
Das Rezept, gewissermaßen das Credo, für eine erfolgreiche Eloxierung ist der folgende Satz:
Bei einem Stromfluss von 1,5 A/dm², in einem Säurebad mit einer Konzentration zwischen 12 und 17%, einer Badtemperatur zwischen 15 und (max.!!) 20°C hat sich nach 60 Minuten eine Oxidschicht in der bei diesem Do-it-yourself-Amateur-Verfahren maximal erreichbaren Dicke von etwa 0,02 bis 0,03 mm ausgebildet.
Dicker wird die Schicht nicht, weil das Kristallwachstum langsamer wird, je länger der Vorgang dauert, die Rücklösung aber immer gleich bleibt (bei konstanter Temperatur, s.o.)
Eine wesentliche Folgerung aus dem bisher gesagten ist daher auch, dass Strom nicht beliebig durch Zeit ersetzt werden kann! Alles, was über (allerhöchstens!!) 1,5 Stunden Dauer hinausgeht, ist verlorene Liebesmüh' und kann unter Umständen den ganzen Vorgang zunichte machen.
Eloxieren ist also eine Gratwanderung zwischen Schichtaufbau durch den Stromfluss und Rücklösung durch die Säure.
Gelingt es, die Schicht schneller wachsen zu lassen als die Säure sie wieder auflösen kann, hat man erfolgreich eloxiert.
Frage: Hab ich mir jetzt wieder ein Problem bei der Schutzschicht-Ausbildung eingehandelt? Verfärbungen sowie ein "Versauen" des Säurebades sind zweitrangig, es geht hier rein um die Schutzfunktion des Eloxierens.
Antwort: Möglicherweise.
Verfärbungen sowie ein "Versauen" des Säurebades sind keinesfalls zweitrangig. Ein sauberes, glasklares Säurebad ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Eloxierung. Ein Säurebad, das mit Schwermetallionen gefüttert wurde, ist für den Eloxiervorgang nicht mehr geeignet und damit unbrauchbar! Es lässt sich auch nicht mehr regenerieren, nur mehr entsorgen....
Ich halte die Ablagerungen an der Kontaktschraube für Metalloxide ("Rost" im weitesten Sinne), die durch die unvermeidbar mit Schwefelsäure angereicherte Atmosphäre dicht über der Badoberfläche entstanden sind. Verstärkt wurde der Effekt wahrscheinlich durch die Bildung eines Lokalelements zwischen den verschiedenen Metallen, aus denen die Kontaktierung bestand. Und so wie es auf den Bildern aussieht, ist diese Jauche noch dazu ins Bad getropft.
Frage: Wie kann ich eigentlich ein erfolgreiches Eloxieren bzw. erfolgreicher Ausbildung einer Schutzschicht (Oxidatinsschicht) testen?
Die Eloxalschicht ist ein hochwertiger Isolator, die Widerstandsmessung liefert also einen ersten Anhaltspunkt. Wenn der elektrische Widerstand der (verdichteten) Schicht im höchsten Messbereich des Messinstrumentes immer noch "unendlich" ist, liegt der Schluss nahe, dass eine Oxidschicht vorhanden ist.
Die Eloxalschicht ist sehr hart (Härte 8-9 nach Mohs). Ein vorsichtiges Kratzen mit einer Reissnadel (keinen hohen Druck anwenden, damit die dünne Schicht nicht mit der Nadelspitze durchstochen wird) darf keine sicht- bzw. spürbaren Kratzer hinterlassen. Ein eventuell zurückbleibender Strich (Stahlabrieb auf der härteren Schicht) muss sich wegwischen oder wegpolieren lassen.
Mir ist noch aufgefallen, dass Dein Werkstück, nur durch ein paar Lagen Fassadennetz getrennt, auf der Kathode liegt.
Zwischen Kathode und Werkstück muss sich ein homogenes elektrisches Feld aufbauen können. Deswegen (und wegen der anzustebenden freien Zirkulation der Säure mittels Umwälzung) sollte rund ums Werkstück - in jeder Richtung - mindestens 2 cm Platz sein.
Aus welchem Material ist eigentlich die Kontaktierungsschraube, also der Teil, der direkt ins Werkstück eingeschraubt war? Hoffentlich Alu oder Grade 2 - Titan! Wenn's Edelstahl war, hast Du damit das Bad ruiniert:
Christoph Drube schrieb: Da als Anode ein Edelstahlblech verwendet wurde, ist dieses teilweise aufgelöst worden - mit den beschriebenen Ergebnissen. Die grünliche Färbung dürfte aus dem im Edelstahl enthaltenen Nickel stammen. Das Säurebad ist leider auf jeden Fall für weitere Eloxierungen unbrauchbar.
Grüße, Rudi
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